Was wäre ein Morgen ohne Kaffee, ein Kuchen ohne Äpfel, ein Sommer ohne Erdbeeren? Keine schöne Vorstellung, oder? Doch es könnte genauso kommen, wenn das Massensterben der Insekten weitergeht.

Roboterbiene trifft Honigbiene
Roboterbienen könnten in Zukunft Pflanzen bestäuben | Bildrechte: WDR 2019/Ole Schleef

In manchen Regionen Deutschlands gibt es bereits bis zu 80 Prozent weniger Insekten als noch vor 35 Jahren, darunter auch viele Wildbienen. 561 Bienenarten leben bei uns, mehr als die Hälfte ist gefährdet. Schuld sind die Varroa-Milbe, ein eingeschleppter Parasit aus Asien, Pestizide, Mähroboter und die monotonen Äcker der intensiven Landwirtschaft.

Sterben die Insekten, dann sterben irgendwann auch Frösche, Eidechsen, Fische, Vögel und Säugetiere wie der Igel. Und es gäbe weniger Blütenpflanzen, Obst und Gemüse. Vor allem Bienen sind kaum zu ersetzen: Etwa jeder dritte Bissen, den wir zu uns nehmen, ist von der Bestäubung durch Bienen abhängig. Sie sind damit nach Rind und Schwein die wichtigsten Nutztiere in Deutschland.

Was also würde passieren, wenn es keine Bienen mehr gäbe?
#bienenlive wagt den Blick in die Zukunft.

Szenario #1: Drohne Maja

Roboter-Bienen fliegen von Wiese zu Wiese und bestäuben Blüten – gar nicht so abwegig, längst werden Roboterbienen entwickelt. In Harvard tüfteln Wissenschaftler etwa an „RoboBee“, einem fliegenden Roboter, halb so groß wie eine Büroklammer, 0,1 Gramm leicht. Er heftet sich durch elektrische Spannung an Pflanzenblättern und soll bei der Bestäubung von Blumenfeldern helfen – damit es in Zukunft wieder mehr Blumen gibt und die hungrigen Bienen wieder mehr Nahrung finden können. Die Idee zu „RoboBee“ ist nicht neu, schon im Jahr 2012 erschuf ein Team in Harvard einen Prototypen einer Bienendrohne – „Mobee“. Der Traum von Erfinder Robert Wood: „Mobee“ sollte sich im Stock unter die echten Bienen mischen, ihre Sprache lernen und sie so vor Gefahren warnen und zu neuen Blumenwiesen führen. 

Auch in Japan wird an Mini-Drohnen gearbeitet: Der Chemiker Eijiro Miyako vom National Institute of Advanced Industrial Science and Technology erschuf einen vier Zentimeter kleinen ferngesteuerten Bestäubungsroboter, der Blumen anfliegen soll. Und tatsächlich gelang es Miyako und seinem Team mit Hilfe des Roboters Pollen von der Blüte einer Japanlinie auf eine andere Lilie zu transportieren – dank Pferdehaarborsten auf der Drohne. Sie sind mit einem speziellen Gel beschichtet, an dem der Pollen kleben bleibt. Als Vorbild diente die Natur: Bei echten Bienen bleibt der Pollen an ihren haarigen Körpern kleben. Radaraugen hat der Mini-Roboter auch und eines Tages soll er sogar lernfähig werden – damit er selbständig die Blumen erkennen und anfliegen kann. 

Isabelle Buckow

Isabelle Buckow

Isabelle hatte noch nie einen Bienenstich. Sie weiß aber jetzt, welches Hausmittel helfen würde: eine halbierte Zwiebel. Sie arbeitet als freie Reporterin. Sie organisierte den Deutschen Reporterpreis, den Reporter-Workshop, die Reporterfabrik und jetzt 150.000 Reporterbienen.