Menschen klettern auf den Ästen von Obstbäumen herum, in der Hand halten sie einen langen Pinsel mit Pollen, die sie auf die Blüten tupfen – das klingt lustig, ist in China aber schon Realität

Ein Mensch mit Bienenmaske bestäubt eine Blüte
Mit Pinsel und ruhiger Hand – ein menschlicher Bestäuber | Bildrechte: WDR 2019/Ole Schleef

China ist Honig-Export-Weltmeister. Doch durch den drastischen Einsatz von Pestiziden sind in manchen Landstrichen fast alle Insekten ausgestorben. Eigentlich sollten mit den Pestiziden nur Schädlinge bekämpft werden, doch am Ende waren auch alle Bienen und Hummeln tot.

Wer hier Obst ernten möchte, muss selbst Biene spielen. Also übernehmen billige Arbeitskräfte die Bestäubung der Bäume, Blüte für Blüte und per Hand. Wer geübt ist und schnell arbeitet, bestäubt bis zu 30 Bäume am Tag. 

Dafür braucht ein Bestäuber etwa ein Kilo frische Blüten, ein Gramm Pollen für jeden Baum. Die dafür nötigen Blüten mit den Pollen müssen zuerst von den Bäumen gepflückt werden, teils in schwindelerregender Höhe. Anschließend werden die Staubbeutel in einem aufwendigen Prozess aus den Blüten gebürstet und getrocknet, 24 Stunden lang.

Dann geht es zurück auf die Obstbaumplantage. Die Arbeiter tunken einen Federwedel in die Pollen, an dem die getrockneten Pollen hängen bleiben. Anschließend klettern die Arbeiter in die Bäume und tragen die Pollen auf die Blüten auf. Klingt eindeutig nach einer Arbeit, die Bienen besser können.

Isabelle Buckow

Isabelle Buckow

Isabelle hatte noch nie einen Bienenstich. Sie weiß aber jetzt, welches Hausmittel helfen würde: eine halbierte Zwiebel. Sie arbeitet als freie Reporterin. Sie organisierte den Deutschen Reporterpreis, den Reporter-Workshop, die Reporterfabrik und jetzt 150.000 Reporterbienen.