Wenn die „Amerikanische Faulbrut“ ein Bienenvolk befällt, wird es brenzlig. Kaum etwas ist für die Insekten so gefährlich wie diese Bakterien. Die Details sind nur für Hartgesottene – aber das Wissen ist enorm wichtig für die Gesundheit der Bienen.

Faulbrut
Wenn die Faulbrut kommt, wird es gefährlich für die Bienen. Bildrechte: Ole Schleef

Normalerweise sorgt die schiere Masse an Arbeiterinnen dafür, dass ein Bienenvolk eine Menge aushalten kann. Zu den absolut tödlichen Angreifern auf die Kolonie aber gehören die Erreger der Amerikanischen Faulbrut. Die tückischen Bakterien verwandeln Bienenlarven zuverlässig in einen braunen, stinkenden, zähflüssigen Brei, und zwar binnen sieben bis 13 Tagen. Es ist die einzige meldepflichtige Bienenseuche.

Um traurige Gewissheit zu erlangen, stechen Imker eine solche Wabe mit einem Streichholz an. Wenn daran beim Rausziehen ein dunkler Schleimfaden hängen bleibt, wissen sie Bescheid: Sie müssen alles desinfizieren und der Amtstierarzt entscheidet, ob das Bienenvolk getötet werden muss. Zwar können auch Ammenbienen den Befall erkennen und kranke Larven aus dem Stock werfen. Aber das verzögert den Verlauf der Krankheit lediglich ein wenig.

Mikrobiologen haben festgestellt, dass es zwei Typen des Faulbrut-Erregers gibt, die unterschiedliche Strategien verfolgen. Der Anfang ist noch identisch: Beide Bakterien gelangen als Spore mit dem Futter in den Darm frisch geschlüpfter Larven. Dort keimen die Sporen und die Bakterien vermehren sich massiv, bis sie den Darm komplett ausfüllen. Schließlich durchdringen sie die Darmwand, gelangen in die Körperhöhle und töten das Insekt. Der eine Typus mit Namen ERIC I öffnet sich aus der Ferne mithilfe von Giftstoffen den Weg durch die Darmwand. Dafür braucht er länger als ERIC II, der sich direkt an die Darmzellen der Larve heftet und die Verbindungen zwischen ihnen zerstört.

Ob ERIC I oder II: Beide vernichten die Larven eines Bienenvolks, unerbittlich. Auch Insekten haben ein Immunsystem, aber das funktioniert völlig anders als das von Säugetieren oder Menschen. Und gegen die Faulbrut ist es machtlos. Doch was wäre, wenn Imker die Bienen gegen die Krankheit impfen könnten? Wissenschaftler arbeiten an einer Impfung, doch bisher ohne Erfolg. Wem das gelingt, der würde zurecht als Held gefeiert! Es wäre eine Sensation.

Joachim Budde

Joachim Budde

Joachim stellt als freier Wissenschaftsreporter Insekten nach. Er hat schon einen Imkerkurs besucht, Asiatische Tigermücken am Oberrhein gejagt, Bettwanzen in einem Berliner Plattenbau gesucht und Fliegen im Garten des Londoner Naturkundemuseums beobachtet. Er arbeitet fürs Radio und für #bienenlive.