So wie ein Fuchs sich in der Dämmerung in manchen Hühnerstall schleicht, so dringt ein Totenkopfschwärmer gewieft in einen Bienenstaat ein. Denn der Nachtfalter beherrscht eine erstaunliche Tarnung.

 

 

Totenkopfschwärmer
Wenn der Totenkopfschwärmer anrückt, gehen die Wächterbienen in Stellung. Bildrechte: WDR 2019/Ole Schleef

Der Falter ist ein Geschöpf der Nacht. Und leicht zu erkennen an der markanten Zeichnung auf seinem Rücken, die an einen bleichen Menschenschädel erinnert. Doch auch wenn er schon längst wieder fort ist, hinterlässt er eindeutige Spuren: Löcher in den Wachsdeckeln der Honigwaben.  Mit seinem groben Rüssel stößt er in die groben Kammern hinein, um sich am süßen Gold gütlich zu tun. Der Rüssel dient auch als Resonanzkörper für seine Quietschtöne: Wer schon einmal versucht hat, einen Totenkopfschwärmer mit der Hand zu fangen, weiß, dass er dann hohe Töne abgibt.

Im Bienenstock hilft ihm eine andere Strategie gegen die Zehntausenden von Arbeiterinnen: Er legt sich den Geruch von Honigbienen an. Wenn man bedenkt, wie viel größer als die Bienen so ein Schwärmer ist, ist es schon verwunderlich, dass er mit dieser Tarnung durchkommt. Zumal sein Parfüm nur aus vier Komponenten des Bienen-Dufts besteht.

Da ist es günstig, dass dieser Nachtfalter viel Bienengift verträgt. Vier Stiche haben Tiere in Versuchen weggesteckt. Dennoch endet der Ausflug ins Schlaraffenland für ihn doch mal tödlich: Und wenn dann Tausende Bienen über ihn hinweggetrampelt sind, verliert er seine Schuppen, der Totenkopf verschwindet und die Flügel werden ganz durchsichtig. Ein Imker, der einen solchermaßen zugerichteten Totenkopfschwärmer in seinem Stock findet, kann ihn kaum noch wiederkennen.

Joachim Budde

Joachim Budde

Joachim stellt als freier Wissenschaftsreporter Insekten nach. Er hat schon einen Imkerkurs besucht, Asiatische Tigermücken am Oberrhein gejagt, Bettwanzen in einem Berliner Plattenbau gesucht und Fliegen im Garten des Londoner Naturkundemuseums beobachtet. Er arbeitet fürs Radio und für #bienenlive.