Brombeeren sind in vielen Frühjahrs- und Sommerhonigen enthalten. Ihr Nektar enthält besonders viel Zucker und ist bei Bienen sehr beliebt. Auch andere Insekten lieben Brombeerblüten – und geben sich oft ganz ungeniert als Bienen aus.

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Eine Honigbiene stärkt sich auf einer Brombeerblüte | Bildrechte: WDR 2019/Joachim Budde

Himbeeren und Brombeeren sind nicht nur nahe verwandt, sie gehören auch zu den beliebtesten und ergiebigsten Pollen- und Nektarspendern von Honigbienen, Schmetterlingen und Fliegen. Und nur wenn die Insekten fleißig waren, bilden die stacheligen Gestrüppe wunderbare tiefrote bis violettschwarze aromatische Früchte, die Mensch und Tier erfreuen.

Wer dieser Tage einen Brombeerbusch beobachtet, wird viele verschiedene Insekten zu sehen bekommen. Nach einem Kahlschlag im Wald haben Forscher allein 20 verschiedene Bienenarten auf den neuen Brombeersträuchern gezählt. Dazu zählen natürlich die Honigbiene, aber auch viele Hummelarten oder die Große Keulhornbiene Ceratina chalybea. Ihr schlanker dunkelblauer, fast schwarzer Körper schimmert in der Sonne grün-metallisch. Trotz ihres Namens ist sie ein kleines Insekt. Auch Wespen wie zum Beispiel der Bienenwolf Philanthus triangulum stärken sich gern an Brombeer- und Himbeerblüten.

Manche der Fliegen geben sich nach außen ganz ungeniert als Bienen aus, wie die Hummel-Waldschwebfliege Volucella bombylans, die man ganz leicht mit einer gewöhnlichen Erdhummel oder  Steinhummel verwechseln kann. Allerdings hat die Waldschwebfliege viel größere Augen, nur zwei Flügel und kurze Fühler wie es typisch für Fliegen ist. Die Larven dieser Schwebfliegen leben in den Nestern von Hummeln oder Wespen und ernähren sich von Abfällen und toter Brut.

Was nur wenige Menschen wissen: Auch die Fliegen bestäuben die Blüten, die sie besuchen. Während bei Bienen & Co. die Larven aber nur herumliegen und sich füttern lassen, sind bei den Fliegen sogar die Larven aktiv. Die der Mistbiene Eristalis tenax (die eigentlich auch eine Schwebfliege ist) heißen Rattenschwanzlarven: Sie sehen aus wie weiße Erdnussflips mit einem langen Schwanz – daher der Name. Der Larvenkörper kann bis zu zwei Zentimeter lang werden, das Atemrohr sogar bis zu 15 Zentimeter. Das ist Rekord bei den Fliegen! Den Schwanz benutzen die Larven allerdings zum Atmen. Sie leben in Jauchegruben oder Kompost und zersetzen Pflanzenreste. Man mag kaum glauben, dass sich aus diesen alienartigen Wesen solche hübschen Schwebfliegen entwickeln, wie man sie auf den Brombeeren findet.

Joachim Budde

Joachim Budde

Joachim stellt als freier Wissenschaftsreporter Insekten nach. Er hat schon einen Imkerkurs besucht, Asiatische Tigermücken am Oberrhein gejagt, Bettwanzen in einem Berliner Plattenbau gesucht und Fliegen im Garten des Londoner Naturkundemuseums beobachtet. Er arbeitet fürs Radio und für #bienenlive.