An Tannen oder Fichten gibt es für Honigbienen wenig zu holen. Eigentlich. Denn diese Bäume haben keine Blüten. Trotzdem sind sie bei Bienen begehrt.

Pollenwolke um Schwarzfichte
Die Pollen der Schwarzfichte sind nicht das Geheimnis des Waldhonigs - sondern winzige Blattläuse. Bildrechte: istockphoto.com / Pi-Lens

Tannen oder Fichten, Kiefern, Lärchen und Douglasien haben keine Blüten, mit denen sie Insekten anlocken, sondern Zapfen. Die männlichen stellen so viel Pollen her, dass jeder Windstoß gelbe Wolken davonträgt, die bei Regen als sogenannter Schwefelregen fallen. Irgendwas landet immer auf einem weiblichen Zapfen. Doch nicht der Pollen ist das Geheimnis des Waldhonigs.

Es gibt einen besonders würzigen und dunklen Nadelwald-Honig. Allerdings ernten die Honigbienen keinen Nektar, sondern Honigtau. Bis in die 1940er Jahre wollten viele Imker gar nicht wahrhaben, dass diese „ekelhaften“ Pflanzenläuse den Rohstoff für solch wunderbaren Honig lieferten. Jahrhundertelang dachte man, die Bäume selbst schwitzten den Honigtau aus, oder er falle als eine Art Manna vom Himmel.

Dieser Honigtau kommt nicht aus Blüten

In Wirklichkeit besteht Honigtau aus Exkrementen von Rinden- und Schildläusen oder – wem das appetitlicher erscheint – einem Überschuss an Pflanzensaft. Denn eine Laus bohrt die Leiterbahnen an, in denen ein Baum eine nährstoff-, also zuckerreiche Flüssigkeit vom Boden in die Krone pumpt. Das Insekt filtert den Stickstoff aus der Flüssigkeit, denn nur den benötigt es. Die weitaus größte Menge des Pflanzensaftes mit dem Zucker, leiten sie direkt an ihren Därmen vorbei wieder am Hinterteil nach draußen. Davon abgesehen haben die Ausscheidungen übrigens wenig mit dem Urin von Warmblütern gemein, denn die Pflanzenläuse bilden gar keinen Harnstoff.

Weil die Ausscheidungen aber süß sind, verwenden die Honigbienen ihn wie Nektar als Basis für den Honig. Damit sind sie nicht allein: Auch Ameisen, Wespen und Fliegen fressen den Saft. Die Ameisen halten sich Pflanzenläuse wie Kühe und trinken den Honigtau direkt von der Quelle. Bienen, Wespen und Fliegen lecken ihn meist von den Nadeln.

Verschmähter Pollen

Waldhonig gibt es überall, wo es ausgedehnte Nadelwälder gibt, also vor allem in Bayern und Baden-Würtemberg, aber auch im Westerwald. Imkerinnen und Imker, die eine Waldtracht ernten wollen, müssen die Entwicklung der Pflanzenläuse gut beobachten.

Nur wenn sie ihre Bienen rechtzeitig an oder in den Wald stellen, ehe sich die Blattläuse explosionsartig vermehren, werden sie Erfolg haben – bei schönem Wetter und ausreichend Läusebesatz kann ein einziges Volk jeden Tag etwa drei Kilogramm Waldhonig eintragen. Obwohl diese Nadelbäume so viel Pollen produzieren, verschmähen ihn die Bienen übrigens. Sie vertragen ihn gar nicht.