Im Sommer blüht die Linde, versorgt die Bienen mit reichlich Nektar und lässt sie einen besonderen Honig hervorbringen: leuchtend gelb, fruchtig,  mit einem feinen Aroma von Pfefferminz oder Menthol.

Linde
Linden stehen besonders häufig in Städten - und bieten Bienen viel Nahrung. Bildrechte: WDR 2019

Die Bäume bieten den Honigmacherinnen so viel Nektar, dass der Honig fast sortenrein im Bienenstock entstehen kann. Bis zu sieben Kilogramm süßen Saft schleppen die Arbeiterinnen eines Volks jeden Tag in die Waben und zaubern daraus nach und nach Lindenblütenhonig (Hier kannst Du lesen, wie sie das machen).

Aber die Bienen finden an den Linden nicht nur Nektar. Auf den Blättern hausen außerdem Blattläuse. Sie futtern Pflanzensaft und scheiden eine Flüssigkeit aus, den sogenannten Honigtau. Auch den sammeln die Bienen ein und verarbeiten ihn im Honig (der dann nicht Lindenblütenhonig heißt, sondern nur Lindenhonig). Aber sie kommen gar nicht hinterher. Die Läuse produzieren so viel, dass der Honigtau von den Bäumen tropft – und manchen Menschen als klebrige Masse auf Motorhauben, Fahrradsatteln oder Gehsteigen nervt.

Linden sind also geradezu ein Schlaraffenland für Bienen, ein riesiges, schwer beladendes Buffet. Honigbienen bevorzugen die Winterlinde, einige Hummelarten die Sommerlinde; ein paar Sandbienenarten sammeln Pollen daran. Silberlinden, die ursprünglich aus Südosteuropa und Kleinasien stammen, und Krimlinden blühen später. Unter ihnen findet man oft größere Zahlen sterbender oder toter Insekten – vor allem Hummeln.

Lange dachte man deshalb, der Nektar dieser Lindenarten sei für Bienen giftig. Das konnten Forscher allerdings nicht bestätigen. Sie haben herausgefunden: Die Silberlinden sind zu ihrer Blüte im Juli so ziemlich die einzigen Lieferanten für Nektar. Die Nachfrage ist unter den Insekten aber so groß, dass das Angebot nicht für alle ausreicht. Außerdem duften die Bäume auch dann noch, wenn sie kaum
noch Nektar herstellen. Viele Hummeln fallen darauf herein, schleppen sich
mit letzter Kraft aus großer Entfernung heran, finden dann nicht genug Nahrung und verenden, völlig ausgepowert.

Joachim Budde

Joachim Budde

Joachim stellt als freier Wissenschaftsreporter Insekten nach. Er hat schon einen Imkerkurs besucht, Asiatische Tigermücken am Oberrhein gejagt, Bettwanzen in einem Berliner Plattenbau gesucht und Fliegen im Garten des Londoner Naturkundemuseums beobachtet. Er arbeitet fürs Radio und für #bienenlive.