Sommerzeit ist Mohnzeit – für Bienen beginnt dann ein großes Festessen. Denn Mohn produziert große Mengen an Pollen. Und diese sind reich an Stickstoff und damit für Bienen sehr wertvoll.

Mohn
Bienen wälzen sich gern im Pollen der Mohnblüte | Bildrechte: WDR 2019/User-Foto

Mohnblüten sind Sommerboten. So wie die Apfelblüte den Frühling einleutet, so markiert die Mohnblüte den Sommeranfang. Uns Menschen erscheinen Klatschmohnblüten in einem warmen kräftigen Rot, das so gut zum Blau der Kornblumen passt. Honigbienen können Rot aber gar nicht wahrnehmen. Ihnen erscheinen die Blüten in einer Farbe, die wir Menschen uns gar nicht vorstellen können: Denn die Mohnblütenblätter reflektieren den ultravioletten Anteil des Sonnenlichts am stärksten – und für den sind wir Menschen blind.

Mohn gehört zu den Frühaufstehern: Schon morgens um Sechs öffnen sich die vier knallroten Blütenblätter. Dann zeigt sich auch, dass Mohnpflanzen ausgesprochene Pollenblumen sind. Sie produzieren ungeheure Mengen der feinen Körnchen. Und diese enthalten besonders viel Stickstoff und sind eine regelrechte Kraftnahrung für Bienen. Oft bietet sich so ein Schauspiel: Die Bienen wälzen sich regelrecht im Pollen, heben dann bepudert ab und kämmen die Körnchen in der Luft in ihre Pollenhöschen. Es ist leicht zu erkennen, wenn Bienen am Mohn gesammelt haben: Die Pollenhöschen sind grün-schwarz oder blau-schwarz gefärbt.

Mohnblüten als Material für Brutzellen

Nektar fehlt im Mohn hingegen ganz, darum spielen die Blumen für Honig keine Rolle. Aber dafür sind sie für einige Wildbienenarten wichtig: Die Mohn-Mauerbiene Osmia papaveris zum Beispiel schneidet aus den Blütenblättern Stücke heraus, mit denen sie ihre Brutzellen tapeziert. Dafür gräbt sie Vertiefungen in sandigen Boden. Ist die Kinderstube ausstaffiert, legt sie einen Vorrat aus Pollen und Nektar von Kornblumen oder Glockenblumen hinein, darauf ein Ei, dann schlägt sie die oberen Zipfel der Mohnblätter übereinander und verschließt die Höhle mit Sand. Die Mohnbiene fliegt von Anfang Juni bis Mitte August und liebt sandige Gebiete. Sie war einmal weit verbreitet, aber inzwischen ist sie selten geworden.

So früh sie anfängt, so zeitig hört eine Mohnblüte auch wieder auf: Der meiste Pollen ist morgens um Zehn schon abgeerntet; am selben Abend ist die Mohnblüte oft schon verblüht. Wenn nicht, dient sie manchen Wildbienen wie den Drohnen der Gewöhnlichen Schmalbiene Lasioglossum calceatum als Schlafplatz. Die Drohnen machen eine WG auf und legen sich gleich zu mehreren in so eine Blüte – bis zu 13 Schmalbienen-Männchen haben Bienenforscher schon zusammengekuschelt gefunden.

Joachim Budde

Joachim Budde

Joachim stellt als freier Wissenschaftsreporter Insekten nach. Er hat schon einen Imkerkurs besucht, Asiatische Tigermücken am Oberrhein gejagt, Bettwanzen in einem Berliner Plattenbau gesucht und Fliegen im Garten des Londoner Naturkundemuseums beobachtet. Er arbeitet fürs Radio und für #bienenlive.