Taubnesseln sind eine echte Bereicherung für jeden Bienenhonig: Sie liefern reichlich tiefroten Pollen und viel Nektar. Doch so mancher Blütenkelch stellt Honigbienen vor eine große Herausforderung.

Eine Hummel sitzt auf einer Taubnessel | Bildrechte: rotofrank/iStock

Taubnesseln wie die Rote Taubnessel blühen schon im März und sind darum eine wichtige Frühjahrskost für Hummelköniginnen. Aber auch danach ist sie eine wertvolle Insektenweide, weil sie bis in den Herbst, zuweilen sogar bis in den Winter blüht und noch auf den höchstgelegenen Äckern der zentralen Alpenkette vorkommt. Sie besiedelt Äcker, Gärten, Weinberge, Schuttplätze und offene Wegränder. Viele Taubnesselarten bevorzugen helle offene Standorte. Die Goldnessel mit ihren leuchtend gelben Blüten hingegen liebt lichte Wälder und Waldränder.

Der Kelch erinnert an eine Vase

Die Blüten der Roten Taubnessel haben einen glockigen Kelch aus fünf tiefrosafarbenen Blättern mit spitzen Zähnen – sie erinnert an eine Vase, an deren Vorderseite eine tiefe Lippe befestigt ist und über der ein Schirm aufgespannt ist. Bei manchen Taubnessel-Arten wie der Gefleckten Taubnessel ist diese Vase so tief, dass die Zunge der Honigbienen zu kurz ist. Lediglich Wildbienen kommen bei ihr zum Zuge. Die Erdbienen der Gattung Andrena lassen sich von solchen Widrigkeiten nicht aufhalten: Sie beißen kurzerhand die Blüte an der Basis auf und trinken auf diesem Weg den Nektar. Und betrügen die Pflanze beim Nektarraub um die Bestäubung. Auch sämtliche Hummelarten haben Zähne an den Mundwerkzeugen. Honigbienen haben keine Zähne – sie bedienen sich aber zuweilen über die Löcher, die ihre Cousinen in die Blüten geschlitzt haben.

Viele Insektenarten bedienen sich am Nektar

Auch für Schmetterlinge sind Taubnesseln wichtige Futterpflanzen; zum Beispiel fressen die Raupen von Achateule, Weißfleck-Widderchen oder Weißer Tigermotte daran. Am Nektar bedienen sich die ausgewachsenen Tiere vieler verschiedener Arten. Ameisen wiederum ernten gern die Klausen – so heißen ihre nussartigen Früchte – und tragen auf diese Weise dazu bei, die Pflanze zu verbreiten. Dieses Jahr (2019) scheint übrigens ein besonders gutes Jahr zu sein für diese Pflanzengattung: Taubnesseln liefern reichlich tiefroten Pollen und viel Nektar. Damit bereichern sie jeden Blütenhonig.

Joachim Budde

Joachim Budde

Joachim stellt als freier Wissenschaftsreporter Insekten nach. Er hat schon einen Imkerkurs besucht, Asiatische Tigermücken am Oberrhein gejagt, Bettwanzen in einem Berliner Plattenbau gesucht und Fliegen im Garten des Londoner Naturkundemuseums beobachtet. Er arbeitet fürs Radio und für #bienenlive.