Ein Jahr lang haben wir bei #bienenlive die Bienen beobachtet. Vor allem fleißige. Doch Forscher fanden heraus: Die meisten Bienen sind gar nicht mal so aktiv. Das wollten wir uns genauer ansehen – und machten uns auf die Spur der Chill-Bienen.

Eine #bienenlive-Biene startet mit einem Chip auf dem Rücken | Bildrechte: WDR 2019/Jakob Vicari

Der MikrotransponderSensorrucksack für Bienenrücken

Der Chip, den #bienenlive zur Bienenerkennung nutzt, heißt „p-Chip“. Wenn ihn ein Laser trifft, schickt er seine Information zurück: Die Erkennungsnummer.

Technik Laser
Erfinder Wlodek Mandecki
Größe 500 x 500 x 100 μm
Gewicht 85 μg
Anwendung Mäuse, Insekten, Laborproben

Ein Jahr lang haben wir Bienen beobachtet. Vor allem fleißige. Manches Mal, wenn wir das Treiben vor den Live-Kameras vom Sofa aus verfolgten, bekamen wir ein schlechtes Gewissen. So viel Fleiß! So viel Engagement! Aber wie fleißig sind die Bienen wirklich? Die Forschung von Wissenschaftlern wie Paul Tenczar ist spannend. Die Forscher sagen: Die meisten der Arbeiterinnen sind eher chillige Zeitgenossinnen.

Das wollten wir genauer wissen. Wir brauchen eine Einzelbienen-Erkennung!

Wir haben uns also Tenczars Laser-Scanner besorgt. Und Sensor-Chips. Die sind so klein wie ein Staubkorn. Und passen problemlos auf den Bienenrücken. Dann sahen wir uns die Forschung genauer an. Zum Glück beschreiben die Wissenschaftler recht genau, wie sie vorgehen. Wir, Bertram und ich, haben beide Biologie studiert. Das müssten wir hinbekommen.

Winzigklein: Auf diesem Bild sind drei Chips zu sehen | Bildrechte: WDR 2019/Jakob Vicari

Wir fangen unsere erste Biene direkt am Flugloch. Sie trägt dicke gelbe Pollenhöschen. Sieht also aus wie eine fleißige Arbeiterin. Oder ist sie nur eine gute Täuscherin?

Wir lassen die Biene in das Zeichenrohr für Königinnen krabbeln. Das ist eine Röhre, die vorne mit einem Gitter verschlossen ist. Mit einem Schaumstoffballen kann der Imker die Biene vorsichtig gegen das Gitter drücken. Und sie markieren. So unser Plan. Doch unsere Biene krabbelt durch das Gitter und will losfliegen. Klar, die Arbeiterin ist viel kleiner als ihre Königin.

Bertram Weiß blickt durch ein Mikroskop
Die Vorbereitung für unsere CyBees läuft: Bertram tupft einen Zahnstocher in Zeichenleim | Bildrechte: WDR 2019/Jakob Vicari

Doch wir haben einen Plan B: Die Biene kommt nun sacht in eine Frühstücksdose. Und dann für fünf Minuten bei Minus 15 Grad in den Tiefkühler – um sie zu betäuben. Leicht gekrümmt liegt die Biene da. Mit einer feinen Pinzette legt Jakob sie in Position. Bertram öffnet einen Flakon, wie er für Parfumproben benutzt wird. Darin: Klebstoff. Er tupft einen Zahnstocher in Zeichenleim, wie er zum Markieren von Königinnen benutzt wird. Er platziert einen feinen Tropfen Leim auf dem Rücken unserer ersten Versuchsbiene.

Ruhige Hand gefragt

Dann kommt der schwierige Part: der Chip. Er ist nicht mehr als eine feine schwarze Ahnung auf der weißen Schreibtischplatte. Mit der feuchten Spitze eines Zahnstochers hebt ihn Bertram an. Und verfrachtet ihn auf den Bienenrücken. Unsere erste CyBee. Der Laser piept. Auf dem Display wird die ID der Biene angezeigt: Nr. 289846398.

Wir stellen Biene Nr. 289846398 in die Sonne. Langsam erholt sie sich. Nach zehn Minuten krabbelt sie über den Tisch. Der Chip leuchtet in der Sonne wie ein Schmuckstück. Dann hebt sie ab. Zwei Stunden später haben wir acht Bienen verchipt.

Mit Sensoren in und an den Stöcken wurden bei #bienenlive Daten erhoben

Vor dem Bienenstock ist an diesem bedeckten Tag nicht viel los. Wir verschließen den Eingang, sodass nur noch ein transparentes Röhrchen als Schlupfloch zur Verfügung steht. Darüber leuchtet der Laser. Der Bienenrücken muss genau zehn Millimeter entfernt sein. Dann kann der Laser den Chip mit Energie versorgen und bekommt die Identifikation zurückgemeldet. Die Helfer von Tenczar haben jeder Biene zwei Chips auf den Rücken gepackt, um sicher zu gehen, dass es funktioniert.

Unsere Bienen haben sich gut erholt und sind munter herumgeflogen. Aber noch hat es nicht gepiept. Ob die Bienen es wohl ungesehen am Laser vorbei schaffen? Ob sie den Chip schon abgeschüttelt haben? Oder ob ihr pelziger Rücken die feine Elektronik stört? Wir wissen es nicht, noch nicht. Aber das ist es ja, was die Sache so schön macht: Wir müssen weiterhin genau hinschauen, was die Bienen tun!

 

 

JakoB Vicari

Jakob Vicari

Jakob ist Erfinder und Wissenschaftsredakteur. Er glaubt, dass Bienen die besseren Reporterinnen sind. Wenn er nicht Bienen eine Stimme verleiht, macht er Journalismus im Internet der Dinge. Als Mitgründer der Sensor & Reporter GbR ist er verantwortlich für die Sensortechnik, die er an den Bienen auf seiner Veranda testet. No bees were harmed.