Einen Bienensommer lang haben wir unsere drei #bienenlive-Völker beobachtet, vermessen und getrackt. Sie haben an einigen Tagen eine Spitzenleistung gebracht.

Biene illustriert mit Datenrucksack
Manche Bienen wurden bei #bienenlive mit einem Tracker ausgestattet | Bildrechte: WDR 2019/Ole Schleef

Die SensorenRund um die Uhr überwacht

Die drei Bienenstöcke von #bienenlive sind mit moderner, vernetzter Sensorik ausgestattet.

Stockwaage Wiegt Gewicht von Bienen, Honig und Stock
Brutraum Fühler im Stock misst die Innentemperatur
Temperatur Thermometer misst die Außentemperatur
Windmesser Kleiner Propeller misst Windgeschwindigkeit und Richtung
Regensensor Behälter mit Wippen-Boden misst die Niederschlagsmenge

Wenn wir über die drei Stöcke berichtet haben, ging es immer auch um Daten: Als wir begannen, waren die Bienenstöcke noch eine Blackbox. Wir hatten keine Ahnung: Wie würde es darin zugehen, wenn der Imker den Deckel zumacht?

Durch unsere ausgefeilte Beleuchtung, die Kameras und natürlich die Sensoren haben wir etwas Licht ins Dunkel gebracht: 250.000 Datenpunkte in Grafiken, Live-Videos rund um die Uhr und täglich datengestützte und automatisierte Nachrichten auf der Webseite. Im Datenzentrum jeder Königin konnte jeder in Echtzeit verfolgen, wie sich täglich das Gewicht des Bienenstocks veränderte, wie stark Wind und Regen waren – und ob das Bienenvolk Fieber hatte. HIER gibt es ausführliche Informationen zu den Sensoren.

In den Daten steckt viel Wissen über das Bienenjahr. Alles verraten sie aber nicht. Manchmal wunderten wir uns über ungewöhnliche Temperaturschwankungen im Stock. Eine Nachricht von den Kollegen von der Kameratechnik erbrachte dann Gewissheit: Kein Bär war eingebrochen, sondern nur Michael von der Kameratechnik.

Was genau haben die Sensoren bei den Königinnen gemessen? 

Königin Linda: Hitze und neugierige Schüler

Bienenkönigin LindaEin neuer Standort ist immer auch eine Wette. So war es bei den Schulbienen von Ehrentrup. Werden die Tiere im neuen Zuhause zurecht kommen? Bei Königin Linda ging es zeitweise heiß her. In ihrem eigenen Bienenhaus auf dem Schulhof der Grundschule Ehrentrup wurde es im Sommer besonders warm: 49,2 Grad zeigte das Außenthermometer am 3. Juli. Da hat wohl die Sonne direkt auf den Temperaturfühler geschienen. Und auch am heißesten Tag des Jahres 2019 war es im Königreich Lage warm: am 25. Juli 44,7 Grad.

37 Grad im Bienenstock

Deshalb hatte Imker Christian Strulik extra große Belüftungslöcher in das Haus gesägt. Die natürliche Bienenklimaanlage funktionierte trotz Hitzerekorden: Die Brutraumtemperatur stieg am 25. Juli auf 37,8 Grad. Manchmal fiel sie aber auch auf etwa 30 Grad, vor allem, wenn der Stock offen war, damit die Schüler etwas lernen konnten.

Manchmal wurde es nass

Am 21. Mai wog der Stock samt Bienen und Zargen 57,56 Kilogramm. Schulimker Christian Strulik hat am Ende nur 11 Kilogramm Honig geerntet. Am windigsten war es gleich zu Anfang, am 24. April, da betrug die Windgeschwindigkeit 34,4 km/h. Am 20. Mai dann ein richtig verregneter Tag: Es fiel der meiste Regen: 58,5 mm. Und die Bienen blieben daheim, das Stockgewicht blieb also hoch. Ob das nächste Jahr der Schulbienen besser wird?

Königin Cleo: Das starke Volk von Witten

Königin CleoStadtimker Marc hat eines seiner besten Völker für #bienenlive ausgesucht. Das zeigen auch die Daten des Bienenjahres. Auf dem Dach des alten Taubenschlags in Witten war es zeitweise sehr windig. Nur an fünf Tagen war es ganz windstill. Der Wind brauste am 1. Juli mit dauerhaften 27,4 km/h übers Wittener Garagendach. Ganz schön zugig, doch die Bienen ließen sich davon nicht stören und flogen in die umliegenden Kleingärten. 85,62 Kilogramm wog der Stock samt Bienen und Technik da. Der beste Sammeltag in Witten war der 24. Juni: 5,9 Kilogramm wurde der Stock schwerer. Königin Cleo hat am Ende des Sommers satte 20 Kilogramm Honig an Stadtimker Marc geliefert.

Hitzealarm im Honigpalast

Und auch die Hitze war enorm: Am 24. Juli wurde die Luft nahe am Stock 45,1 Grad warm. Und auch im Stock stieg die Temperatur rapide, die Bienen kamen nur mit Mühe hinterher, ihn zu kühlen. Der Regensensor registrierte kaum Niederschlag. Am 27. August wurde es dann für kurze Zeit kritisch. Da erreichte die Innentemperatur 39 Grad, auf Dauer deutlich zu warm. Aber auch das haben die starken Bienen von Königin Cleo und Imker Marc heil überstanden.

Königinnen Thea &  Ruby:

Das wichtigste Ereignis bei Klosterimkerin Silke Gimnich zeigte sich in den Daten: Im Frühsommer wurde der Stock plötzlich 800 Gramm leichter! Königin Thea war mit einem großen Teil ihres Volk ausgeschwärmt. Die neue Königin Ruby hat das Beste daraus gemacht: Trotz Machtwechsel im Honigpalast waren die Kölner Bienen fleißig: 70,36 Kilogramm wog das Volk samt Stock und Technik am 3. Juli.

Ein perfekter Standort im Kloster

Wind und Regen machten den Bienen wenig zu schaffen: Der regenreichste Tag war der 6. Juni mit 16 mm Niederschlag. Der 7. Juni war der windigste Tag: 13,7 km/h. Viel ist das nicht. Kein Wunder: Das Volk steht am Kloster in Köln-Junkersdorf windgeschützt hinter einer Mauer und zwischen Bäumen. Ein perfekter Standort für Bienen, um ungestört zu arbeiten: Der erfolgreichste Sammeltag der Klosterbienen war der 24. April. Allein an diesem Tag stieg das Stockgewicht um 2,17 Kilogramm an. Insgesamt haben die Bienen Imkerin Silke Gimnich 25 Kilogramm Honig geschenkt.

 

JakoB Vicari

Jakob Vicari

Jakob ist Erfinder und Wissenschaftsredakteur. Er glaubt, dass Bienen die besseren Reporterinnen sind. Wenn er nicht Bienen eine Stimme verleiht, macht er Journalismus im Internet der Dinge. Als Mitgründer der Sensor & Reporter GbR ist er verantwortlich für die Sensortechnik, die er an den Bienen auf seiner Veranda testet. No bees were harmed.

Isabelle Buckow

Isabelle Buckow

Isabelle hatte noch nie einen Bienenstich. Sie weiß aber jetzt, welches Hausmittel helfen würde: eine halbierte Zwiebel. Sie arbeitet als freie Reporterin. Sie organisierte den Deutschen Reporterpreis, den Reporter-Workshop, die Reporterfabrik und jetzt 150.000 Reporterbienen.

Bertram Weiß

Bertram Weiß

Bertram jagte als Kind allem hinterher, was krabbelte, studierte später Biologie und Journalistik und wurde Journalist, Spezialgebiet: Natur, Wissenschaft und journalistische Formatentwicklung. Er ist Mitgründer der Sensor & Reporter GbR und kauft Honig am liebsten bei Imkern aus seiner Heimat, dem Drachenfelser Ländchen bei Bonn.