Ich bin schon eine richtig erfahrene Biene, fast vier Wochen alt. Glaub mir, für eine wie mich ist das ein hohes Alter! Ich bin eine Sammlerin im Außendienst, vielseitig und kampferprobt. Heute fliege ich zu den Apfelblüten.

Eine Honigbiene sammelt Nektar
In einer perfekten Welt finden Bienen genug Blüten und Nektar | Bildrechte: WDR 2019/Ole Schleef

Wir Bienen sind ja Vegetarierinnen: Wir ernähren uns ausschließlich von Pflanzenmaterial. Wir sind vor allem auf Nektar aus, also süßen Saft, den viele Pflanzen in ihren Blüten bereitstellen. Die Apfelblüten präsentieren es uns die süßliche Flüssigkeit an einer Art Saftbar, dem Nektarium.

Zwei Milligramm Nektar stellt eine Apfelblüte uns jeden Tag bereit. Das ist nicht schlecht. Aber eine Kirschblüte produziert zehn Mal so viel Nektar. Ich lande, fahre meine Zunge aus und sauge den Nektar aus dem Nektarium der Blüte. Zwei Kirschblüten oder zwanzig Apfelblüten würden unseren Magen komplett füllen. Leider geben sie nicht allen Nektar auf einmal her. Mein Honigmagen ist bei dem reichen Angebot der vielen Blüten an einem Baum schnell voll.

Aber ich habe hier ja noch anderes zu erledigen. Ich sammele auch Pollen in den Blüten ein. Also winzige Körnchen, in denen genetische Informationen über die Pflanze stecken. Vorsichtig kämme ich Pollen mit meinen Haaren auf und verstaue sie in meinen Höschen – ja, so nennt ihr Menschen das! Wenn ich von Blüte zu Blüte fliege, nehme ich Pollen mit, aber lasse unabsichtlich auch ein wenig zurück. Für die Pflanze ist das super: Sie bekommt fremden Pollen und kann daraus eine Frucht entwickeln, etwa einen Apfel. Wenn mein Honigmagen voll ist, kehre ich zum Stock zurück.

Joachim Budde

Joachim Budde

Joachim stellt als freier Wissenschaftsreporter Insekten seit nach. Er hat schon einen Imkerkurs besucht, Asiatische Tigermücken am Oberrhein gejagt, Bettwanzen in einem  Berliner Plattenbau gesucht und Fliegen im Garten des Londoner Naturkundemuseums beobachtet. Er arbeitet fürs Radio und für #bienenlive.