Jetzt aber schnell nach drinnen, meinen Nektar und Pollen abliefern. Da kommt schon eine Schwester. Ich spucke den Nektar aus und sie saugt ihn direkt wieder auf. Ihr Menschen nennt das den „Bienenkuss“.

Der Bienenkuss

Die Honigmacherin trägt die Fracht behutsam zu einer Wabe und lagert ihn darin ein. Aber bald schon holt eine andere sich den Saft, trägt ihn weiter und vermengt ihn dabei mit eigenem Speichel. Das geht immer so weiter, von Biene zu Biene, von Wabe zu Wabe – und allmählich wird so, vereinfacht gesagt, dickflüssiger Honig daraus.

Je nachdem aus welcher Pflanze der Nektar entstammt ist der Honig, der daraus wird, goldhell, goldgelb oder braun. Die letzte Wabe mit dem fertigen Honig darin wird mit einem Deckel versehen und wir haben neuen Vorrat an Energie. Bis zu 300 Kilogramm Honig stellt ein Volk im Verlauf eines Sommers her. Den meisten Honig verbrauchen wir Bienen übrigens gleich selbst.

Auch den Blütenpollen übernimmt eine meiner Schwestern nach meiner Ankunft. Pollen wird schnell schlecht. Darum vermischen wir auch ihn mit Speichel und verkleben die Körnchen so zu Kügelchen. Ihr Menschen nennt das „Bienenbrot“. Die Bakterien aus unserem Speichel fermentieren das Bienenbrot und halten so Schimmel und andere verderbliche Einflüsse fern, ähnlich wie es passiert, wenn ihr Sauerkraut macht. Es müsste also eigentlich Bienensauerkraut heißen. Aber wie auch immer die Kügelchen heißen: Eine meiner Schwestern lagert auch die in Waben. Für den Fall, dass jemand bei uns Hunger bekommt. Unsere Waben sind unsere Wunderräume.

Joachim Budde

Joachim Budde

Joachim stellt als freier Wissenschaftsreporter Insekten seit nach. Er hat schon einen Imkerkurs besucht, Asiatische Tigermücken am Oberrhein gejagt, Bettwanzen in einem  Berliner Plattenbau gesucht und Fliegen im Garten des Londoner Naturkundemuseums beobachtet. Er arbeitet fürs Radio und für #bienenlive.