Welch wunderbare Architektur, liebe Schwestern! Lange habt Ihr Menschen Euch gefragt, wie wir diese symmetrischen sechseckigen Waben hinbekommen – und warum sie genau die Form haben, die sie nun einmal haben.

Eine Baubiene in Wabe

Manche Menschen haben uns sogar Kenntnisse in Geometrie zugetraut. Sehr schmeichelhaft, aber das stimmt nicht. Dass ein Sechseck entsteht, liegt am Wachs selbst: Das pressen wir aus kleinen Drüsen an unserem Hinterleib und legen die Wände an. Jede ist exakt 0,07 Millimeter dick. Selbst unsere Schwestern an Bord eines Spaceshuttle haben in der Schwerelosigkeit perfekte Waben gebaut.

In unserer Beute hängen Holzrähmchen, damit wir unsere Waben schön rechteckig anlegen wie ein Blatt Papier. Das finden die Imker praktisch. Die Rähmchen gibt es in ganz unterschiedlichen Größen. Ohne Rahmen würden wir eher eine Form bauen, die aussieht wie eine Traube: Oben breit und unten spitz.

Wenn die Wabe fertig ist, krabbeln wir hinein und starten unsere Heizung: Wir zittern mit unseren kräftigen Flugmuskeln, erhitzen das Wachs, bis es zu fließen beginnt. Dabei kann unsere Körpertemperatur auf über 43 Grad steigen. Für euch Menschen wäre das wahrscheinlich tödlich. Und wenn das Wachs wieder abkühlt, kristallisiert und erstarrt es zu einem Sechseck. Wir tun also nichts für die Form, das macht das Wachs von ganz allein. Und sie ist der beste Boden für unseren Zittertanz.

Joachim Budde

Joachim Budde

Joachim stellt als freier Wissenschaftsreporter Insekten seit nach. Er hat schon einen Imkerkurs besucht, Asiatische Tigermücken am Oberrhein gejagt, Bettwanzen in einem  Berliner Plattenbau gesucht und Fliegen im Garten des Londoner Naturkundemuseums beobachtet. Er arbeitet fürs Radio und für #bienenlive.