Sie gilt als der gefährlichste Feind der Bienen: die Varroamilbe. Forscher und Imker kämpfen seit Jahrzehnten gegen den Parasiten. Doch die Milbe ist hartnäckig.

Varroa-Milbe
Die Varroamilbe schwächt die Bienenvölker und schleppt Krankheitserreger ein | Bildrechte: WDR 2019/Ole Schleef

Fragt man Bienenforscher danach, was die Honigbienen in Deutschland am meisten bedroht, bekommt man immer dieselbe Antwort: Die Varroamilbe. 1977 gelangte Varroa destructor aus Südostasien nach Deutschland. In Deutschland gibt es das einen Millimeter lange und anderthalb Millimeter breite, ovale, bernsteinbraune Spinnentier in buchstäblich jedem Bienenvolk. Wie viele es tatsächlich sind, das müssen Imker das ganze Jahr über beobachten.

So eine Milbe krabbelt zu den regungslosen Larven in die Brutzellen, kurz bevor die Ammenbienen die Zellen mit einem Wachsdeckel verschließen. Sie piekst die Bienenbrut an und trinkt ihr Blut. Dabei überträgt sie Krankheitserreger, sodass die Bienen mit verkümmerten Flügeln oder zu kurzem Hinterleib schlüpfen. Solche kranken Schwestern schmeißen die Arbeiterinnen sofort aus dem Stock.

Wenn ein Bienenvolk sehr viele von diesen Viren und Milben hat, dann ist es dem Untergang geweiht und geht spätestens im Winter ein. Und ohne Hilfe der Imker fällt jedes Honigbienenvolk spätestens binnen drei Jahren Varroa zum Opfer. Es sind Milbengifte im Handel, doch wenn Imker diese benutzen, können Rückstände davon in den Honig gelangen. Außerdem sind viele Milben bereits resistent.

Forscher haben deshalb ein System entwickelt, mit dem sie Varroa das ganze Jahr über das Leben schwer machen: Sie rücken den Parasiten mit organischen Säuren zu Leibe: Vor dem Start in die Saison im Frühjahr besprühen sie das Volk mit Milchsäure. Im Herbst lassen sie verdünnte Ameisensäure im Bienenstock verdampfen. Die dringt bis in die Brutzellen ein und erwischt auch dort die Milben. Und kurz vor Weihnachten entmilben sie die Bienen noch einmal mit Oxalsäure . All diese organischen Säuren kommen von Natur aus sowieso im Honig vor.

Eine gute Nachricht gibt es für Hummeln oder andere Wildbienen: Sie bleiben bislang von Varroa verschont.

Joachim Budde

Joachim Budde

Joachim stellt als freier Wissenschaftsreporter Insekten nach. Er hat schon einen Imkerkurs besucht, Asiatische Tigermücken am Oberrhein gejagt, Bettwanzen in einem Berliner Plattenbau gesucht und Fliegen im Garten des Londoner Naturkundemuseums beobachtet. Er arbeitet fürs Radio und für #bienenlive.