Johannes Weber hat 45.000 Haustiere; der 34-Jährige ist Hobby-Imker mit Bienenvolk auf dem Berliner Balkon. 2014 gründete er den Verein Stadtbienen und entwickelte eine Box, in der sich die Insekten inmitten von Metropolen heimisch fühlen.

Johannes Weber
Joahnnes Weber hat 2014 den Verein "Stadtbienen" gegründet (c) Stadtbienen e. V.

Bienen in der Stadt

Als gemeinnütziger Verein will „Stadtbienen“ den Schutz von Honig- und Wildbienen im städtischen Raum fördern. Die Mitglieder zeigen Wege auf, wie jeder selbst einen Beitrag zum Wohl von Insekten leisten kann. Vielfältige Infos gibt es azf der Webeseite: https://www.stadtbienen.org

Herr Weber, wann konnten Sie das letzte Mal auf Ihrem Balkon entspannen, ohne gestochen zu werden?

Johannes Weber: Das kann ich jeden Tag. Ich habe seit sechs Jahren Bienen dort, völlig unproblematisch. Es ist Quatsch zu denken, daneben könne man sich nicht gefahrlos in die Sonne legen. Klar, das Summen wirkt auf manche Nachbarn befremdlich, das muss man respektieren. Die Abwehrhaltung kommt aber vor allem daher, dass wir Menschen uns immer mehr von der Natur entfernen.

Schrauben Sie Ihren Mitbürgern deshalb Bienenstöcke an die Häuser – um die Natur zu ihnen zu bringen?

Weber: Das mache ich ja gar nicht. Ich habe nur eine Bienenbox entworfen, die es Laien-Imkern ermöglicht, selbst in der Stadt Bienen zu halten. Dafür war eine Bauform wichtig, die man an allen möglichen Standorten wie Dächern oder Balkonen anbringen kann. Die Behausung besteht aus nur einem Körper, die Rahmen darin sind klein und einfach zu entnehmen. Außerdem ist das Design innen auf ökologische Imkerei ausgerichtet; die Bienen können ihre eigenen Naturwaben bauen.

Mit der Box und dem Verein Stadtbienen haben Sie den GreenTec Award gewonnen, mittlerweile gibt es in 30 Städten Ihre Imker-Kurse. Wieso hat das Projekt so großen Erfolg?

Weber: Die Leute haben das Bedürfnis, wieder mehr Kontakt zu ihrer Umwelt aufzunehmen. Mit der Bienenbox können sie das ganz aktiv tun, erleben die Natur am eigenen Balkon. Deshalb ist Imkern nicht mehr nur für Öko-Nerds interessant.

Vor Kurzem waren Sie in Sierra Leone und Liberia, haben dort wilde Bienenvölker beobachtet. Unterscheiden die Insekten sich dort von den europäischen?

Weber: Ja, ganz immens. Die Bienen in Afrika haben keine Züchtungsgeschichte hinter sich – das gibt es in Deutschland in dem Maß gar nicht. Hier sind die Tiere abhängig vom Menschen, so ähnlich wie eine Hochleistungskuh. Sie geben viel Honig, sterben aber ohne die Fürsorge eines Imkers. In Westafrika arbeiten die Bienen weniger leistungsstark, leben aber absolut unabhängig vom Menschen – sie sind frei.

Johannes von Stadtbienen arbeitet an der Bienenbox
Der Verein "Stadbienen" bietet vielfältige Möglichkeiten, Wild- und Honigbienen in der Stadt zu unterstützen, zum Beispiel vor dem eigenen Fenster (c) Stadtbienen e. V.

 

Anna Heidelberg-Stein

Anna Heidelberg-Stein

Anna versucht mit Wildblumen im eigenen Garten Bienen anzulocken. Leider blüht dort nie was. Sie schreibt für die ZEIT Hamburg. Für #bienenlive interviewt sie Experten aus ganz Deutschland; nebenbei hofft sie auf den entscheidenden Tipp für ihre Honigwiese.