Die Bienenforscherin Mariana Allasino hat in Argentinien eine bizarre Entdeckung gemacht: Ein Bienennest komplett aus Plastikmüll! Allasino forscht am Nationalen Institut für Agrartechnologie. Wir haben ihr Fragen zum außergewöhnlichen Bienenhaus gestellt.

Die Wissenschaftlerin Mariana Allasino
Mariana Allasino kontrolliert eine Nisthilfe | Copyright: Instituto de Investigación y Desarrollo Tecnológico para la Agricultura Familiar Región Cuyo

Frau Allasino, wie haben Sie das Wildbienen-Nest aus Plastik entdeckt?

Das war zufällig, während einer Forschungsarbeit über Bestäuber auf einer Saatgut-Farm in Pocito, San Juan in Argentinien. Wir untersuchen, wie bestimmte landwirtschaftliche Praktiken zum Erhalt der Bienen beitragen und so  zu einer besseren Bestäubung der Nutzpflanzen führen. Dazu stellten wir in einem Feld 63 Nisthilfen für Wildbienen auf. In einer Nisthilfe fanden wir das Nest. Es war komplett aus Plastikmüll gebaut.

Wildbienennest, aus Plastikteilen gebaut
Die hölzerne Nisthilfe, darin: eine Brutzelle aus Plastik | Copyright: Instituto de Investigación y Desarrollo Tecnológico para la Agricultura Familiar Región Cuyo

Warum bauen Bienen ein Nest aus Plastik?

Das Nest zeigt die Anpassungsfähigkeit, die bestimmte Bienenarten bei neuen Umweltbedingungen entwickeln können. Die Bienen ersetzen natürliches Material durch Kunststoff. Das könnte daran liegen, dass bestimmte Pflanzen auf den Feldern fehlen oder dass es zu viel Abfall gibt. Und das wiederum könnte im Zusammenhang stehen mit der Art der Landwirtschaft. Wir können aber noch nicht sagen, ob das an unserem Studienort der Fall ist. Genauso können wir noch nicht sagen, ob der Kunststoff beim Nestbau für die Biene vorteilhaft oder für den Fortpflanzungserfolg nachteilig ist.

Plastikkteile, aus denen Wildbiene eine Kammer gebaut hat
Die drei Zellen waren unterschiedlich lang | Copyright: Instituto de Investigación y Desarrollo Tecnológico para la Agricultura Familiar Región Cuyo

Wie sah das Plastik-Nest aus?

Das Nest war geformt aus drei Zellen. Sie waren etwa 1,27 Zentimeter lang und bestanden aus runden, länglichen Kunststoffteilen, die schuppenartig angeordnet waren. Für die ersten beiden Zellen hatte die Biene nur dünnen, hellblauen Kunststoff benutzt, wie der von Einkaufstüten. Die dritte Zelle bestand komplett aus weißem Kunststoff und war dicker als die anderen.

Plastikteile, von Wildbiene zugeschnitten
Die Zellen bestanden aus runden, längliche Kunststoffteilen | Copyright: Instituto de Investigación y Desarrollo Tecnológico para la Agricultura Familiar Región Cuyo

Welche Biene hat das Nest gebaut?

Wir haben leider nur eine tote Larve in einer Zelle gefunden, eine geschlüpfte Biene schien das Nest verlassen zu haben, die dritte Zelle war nicht fertig gebaut. Deswegen konnten wir die Bienenart nicht mehr bestimmen. Es könnte sich aber um Megachile rotundata (Fabricius) handeln. Das ist eine exotische Art, die in Blumen auf der Farm gefangen wurde. Sie wird auch Blattschneider-Biene genannt, weil sie mit den Zähnen kreisförmige Stücke aus Blättern schneidet. Und sie ist bekannt dafür, dass sie Kunststoff benutzt, um Brutzellen zu bauen.

Ein Bienennest aus Plastikmüll – ist das eine gute oder schlechte Entdeckung?

Beides. Das Gute ist: Es zeigt, dass es einigen Arten gelungen ist, sich an Veränderungen in der Umwelt anzupassen. Gleichzeitig ist das Nest aber auch ein trauriger Beweis dafür, wie stark menschliche Aktivitäten das wilde Leben beeinflussen.

Werden in Zukunft noch mehr Bienenarten künstliche Materialien wie Plastik verbauen?

Das kann ich nicht sagen. Ich glaube, diese auffällige Entdeckung sollte als Alarm dienen – damit die Menschen die ökologischen Folgen der Umweltverschmutzung verstehen und sich bewusstwerden, wie wichtig die Fürsorge für unseren Planeten ist.

Könnte die zunehmende Umweltverschmutzung zum Verlust mancher Bienenarten führen, wenn nicht alle in der Lage sind, sich anzupassen?

Die Umweltverschmutzung ist eine Ursache für den Verlust der biologischen Vielfalt. Auch wir Menschen tragen dazu bei, genauso wie zur Verschlechterung der Ökosysteme. Den Tieren bleibt gar nichts anderes übrig, als sich den Veränderungen anzupassen, um zu überleben. Aber nicht alle Arten können das. Natürlich besteht dann die Gefahr, dass diese Arten verschwinden.

Isabelle Buckow

Isabelle Buckow

Isabelle hatte noch nie einen Bienenstich. Sie weiß aber jetzt, welches Hausmittel helfen würde: eine halbierte Zwiebel. Sie arbeitet als freie Reporterin. Sie organisierte den Deutschen Reporterpreis, den Reporter-Workshop, die Reporterfabrik und jetzt 150.000 Reporterbienen.