In Bienen-AGs erleben Schülerinnen und Schüler hautnah, wie man sich richtig um ein Bienenvolk kümmert. Welche konkreten Schritte sind nötig, um an der eigenen Schule eine Bienen-AG zu gründen? Und welche anderen Möglichkeiten gibt es für Schulen, sich für Bienen einzusetzen? Bienen – das sind nämlich nicht nur Honigbienen, sondern auch eine Vielzahl an Wildbienen, die für unsere Ökosysteme sehr wichtig sind.

Hier finden Sie Tipps für Bienen-Aktionen und viele Links zu Unterrichtsmaterialien und hilfreichen Seiten im Netz.

Eine Furchenbiene (oben) und eine Sandbiene (unten) sitzen auf einer Blume, die zu einer Wiese gehört, die extra für Wildbienen angelegt wurde.

So gründet man eine Imker-AG

  • Eine Bienen-AG leitet man am besten zu zweit. So ist ein solch langfristiges Projekt, das viel Engagement auch außerhalb der Unterrichtszeiten benötigt, besser zu bewältigen. Die Lehrkräfte sind dabei nicht nur Vorbild für die Schülerinnen und Schüler, was den verantwortungsvollen Umgang mit den Bienen betrifft. Sie müssen auch die Betreuung der Bienen für das gesamte Jahr organisieren – auch während der Schulferien.

    Bienen AG am Bienenstock
  • Zunächst muss formal die Erlaubnis für die Einrichtung einer Bienen-AG eingeholt werden. Auch die Elternvertretung muss der Gründung zustimmen. Grundsätzlich stehen viele Schulleitungen der Gründung einer Bienen-AG positiv gegenüber, weil sie ein Alleinstellungsmerkmal für die Schule darstellt.

  • Die Bienenstöcke brauchen einen Platz auf dem Schulgelände oder in der unmittelbaren Umgebung. Er sollte möglichst nicht zu weit weg sein, damit die Teilnehmenden der AG nicht zu viel Zeit durch den Weg zu ihren Bienen verlieren. Gleichzeitig sollte der Stock auch nicht mitten auf dem Schulhof stehen, um Konflikte zwischen Bienen und Menschen zu vermeiden. Ein geeigneter Platz lasse sich aber an fast jeder Schule finden, meint Dr. Hartmut Fahrenhorst vom Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker e.V.. Sein Tipp: Wenn man das Dach der Schule betreten könne, sei das häufig ein geeigneter Standort.

    Bienenstöcke auf einem Dach
  • Nicht nur die Bienen – auch die Schülerinnen und Schüler der AG brauchen einen Platz. Zum einen, um dort im Winter theoretische Inhalte über die Bienen und die Imkerei zu lernen, und zum anderen, um das benötigte Material zu lagern. Außerdem braucht man Platz, wenn man zum Beispiel Honig schleudern, Kerzen basteln oder Honiggläser etikettieren möchte.

  • Wenn die betreuende Lehrkraft nicht selbst schon Imker oder Imkerin ist, sollte sie sich auf jeden Fall mit einem Imkerverein in Verbindung setzen. Im besten Falle kann eine Imkerin oder ein Imker als Pate gewonnen werden, der die AG in der ersten Zeit intensiv mitbegleitet und auch später als erfahrener Ansprechpartner da ist. Der Imkerverein ist auch eine gute Adresse, um das erste Bienenvolk zu organisieren. Vielleicht bekommt man es für die AG sogar geschenkt – ansonsten werden 100 bis 150 Euro fällig. Langfristig sollte man mindestens zwei bis drei Völker einplanen, da es immer möglich ist, dass ein Volk den Winter nicht übersteht.

    Eine Hobbyimkerin kontrolliert ihre Bienenvölker auf einem Dach
  • Durch einen Aushang oder ein Rundschreiben können Schülerinnen und Schüler auf die AG aufmerksam gemacht werden. Oder die Lehrkraft spricht gezielt Schülerinnen und Schüler an, die Interesse an der AG haben könnten. Die Eltern der teilnehmenden Kinder müssen sich schriftlich mit der Teilnahme an der AG einverstanden erklären und angeben, ob eine Allergie gegen Insektenstiche bekannt ist.

  • Eine Bienen-AG verursacht Kosten. Gerade zu Beginn muss viel Material angeschafft werden: Kästen, Rähmchen, Schutzkleidung, Mittel zur Parasitenbekämpfung und mehr. Möglicherweise kann der Förderverein der Schule einen Teil der Kosten übernehmen, oder es findet sich ein lokaler Sponsor. Auch die Suche nach passenden Förderprogrammen oder der Kontakt zum Naturschutzverein kann sich lohnen. Ist die Imkerei an der Schule erst einmal etabliert und die Honigernte gut, kann sich die AG vielleicht sogar zum Großteil über den Verkauf des Honigs selbst tragen.

    Vier verschiedene Honigsorten in Gläsern
  • Gerade im ersten Jahr ist es wichtig, den richtigen Umgang mit dem Bienenvolk und die Aufgaben des Imkers bzw. der Imkerin im Jahresverlauf zu erlernen. Viele Imkervereine bieten Schulungen für Imkerei-Neulinge an. Der Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker e.V. führt beispielsweise kostenlose eintägige Schulungen speziell für Bienen-AGs durch. Hier lernen sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die betreuende Lehrkraft wichtige Inhalte über die Imkerei und den Umgang mit Bienen. Auch Themen wie Bienenkrankheiten und Parasiten oder die Vermarktungsmöglichkeiten von Bienenprodukten stehen auf dem Programm. Da die Schulungen an Wochentagen stattfinden, sollte man sich frühzeitig um die Beurlaubung der Teilnehmenden kümmern.

    Bienen sitzen auf der Hand eines Imkers bei der Kontrolle

Was können Schulen noch tun, um (wild-)bienenfreundlicher zu werden?

  • Bienen brauchen Nahrung. Sie ernähren sich von Nektar und Blütenpollen, den sie auch als Nahrung für ihre Larven sammeln.
    Wer einen Garten mit Wildblumen anlegt, hilft damit den Bienen bei der Nahrungssuche. Auch wenn kein Platz für einen ganzen Garten vorhanden ist, kann das Anpflanzen einiger Sträucher oder das Umwandeln von Rasen in eine Wildblumenfläche schon helfen. Wichtig ist dabei, dass es sich um wilde Arten handelt und solche, die einheimische Wildbienen auch wirklich als Nahrungsquelle nutzen. Man sollte sich vorher also gut darüber informieren, welche Wildbienenarten in der Umgebung leben und welche Futterpflanzen sie nutzen. Anbieter von biologischem Saat- und Pflanzengut bieten häufig auf die Region abgestimmte Saatmischungen an.
    Außerdem sollten möglichst Stauden mit unterschiedlichen Blütezeiträumen gepflanzt werden, damit im ganzen Frühling und Sommer Nahrung zur Verfügung steht und nicht nur während einer kurzen Zeit. Blumen mit gefüllten Blüten sollte man nicht pflanzen, da diese gezüchteten Formen keinen oder nur wenig Nektar und Pollen bilden.

    Wildblumenwiesen bieten Insekten eine Heimat. Welche Partei will in Europa was für die Artenvielfalt tun?
    Wildblumenwiesen bieten Insekten eine Heimat. Aber welche Partei will sich in Europa wirklich für sie einsetzen?
  • Ein weiteres Problem für Wildbienen ist die Nistplatzsuche. Wildbienen leben nicht wie Honigbienen zu Tausenden in einem Stock, sondern der Großteil von ihnen lebt solitär. Das bedeutet, dass sie alleine leben und nur für ihre eigenen Nachkommen sorgen. Ihre Eier legen sie dazu einzeln in Gänge, die sie im Boden oder in morschem Holz anlegen. Ein Teil der Wildbienen nutzt auch schon bestehende Hohlräume, zum Beispiel in Pflanzenstängeln oder Mauerritzen. Diesen Bienen kann man helfen, indem man geeignete Nisthilfen baut oder kauft und diese im Schulgarten anbringt.

    Die Nisthilfen können aus Ziegeln, Lehm, Holz oder hohlen Pflanzenstängeln bestehen. Wichtig ist, sich vorher zu informieren, wie die Nisthilfen aussehen und wie sie angebracht werden sollten. Auf jeden Fall sind ein regengeschützter Standort oder ein überstehendes Dach an der Nisthilfe sehr wichtig, da zu viel Feuchtigkeit den Nahrungsvorräten und der Brut der Wildbienen schadet.

    Ein Junge füllt einen Blumentopf mit Lehm und hohlen Pflanzenstängeln als Nisthilfe für Insekten

    Unbedingt sollte man sich vorher auch über die Fehler informieren, die beim Bau von Nisthilfen häufig gemacht werden. Falsch hergestellte oder angebrachte Nisthilfen werden von den Bienen nämlich nicht genutzt oder können ihnen im schlimmsten Fall sogar schaden.

  • Es ist wichtig, sich klar zu machen, dass ca. drei Viertel der einheimischen nestbauenden Wildbienenarten gar nicht oberirdisch nisten, sondern im Boden. Sie graben dazu Gänge in sandige und lehmige Böden oder in kleine und größere Steilwände. Wer diesen Bienen etwas Gutes tun und ihnen geeignete Nistmöglichkeiten zur Verfügung stellen will, sollte zunächst einmal mögliche bestehende Nistplätze schützen. Bevor man also einen Schulgarten anlegt, sollte man sich das Gelände, auf dem er entstehen soll, genau ansehen. Gibt es vielleicht einen kleinen Abhang, an dem das Erdreich offenliegt? Ihn sollte man nicht einebnen – hier können Wildbienen ihre Gänge graben. Zwischen Pflastersteinen sollten sandige Fugen bestehen bleiben. Auch ein einfacher Sandhaufen kann schon als Nistmöglichkeit dienen. Außerdem sollte man darauf achten, dass der Rasen nicht zu dicht steht, sondern ruhig einzelne eher kahle Flecken aufweist, sodass Wildbienen die Möglichkeit haben, sich hier in den Boden zu graben. Vielen Bienen ist auch schon damit geholfen, wenn die Grünflächen auf dem Schulgelände nicht zu sehr „aufgeräumt“ werden. Dafür sollte man zum Beispiel abgeblühte Stauden stehen lassen – in den Stängeln könnten sich Wildbienen einnisten. Auch Totholz wird von manchen Arten als Nistmöglichkeit genutzt.

    Eine Auensandbiene am Boden
  • Wer einen Bienengarten einrichten möchte oder sich auf die Suche nach schutzwürdigen Niststrukturen macht, kann sich auch einfach Hilfe von Expertinnen und Experten holen. Vielleicht gibt es in der Stadt eine Ortsgruppe des NABU, des BUND oder einer anderen Umweltorganisation, die das Vorhaben an der Schule unterstützt. Auch Gartenvereine sind gute Ansprechpartner.

    Ein Junge in Imkerkleidung benutzt einen Smoker, während er bei einem Imker Bienen auf einer Wabe kontrolliert
  • Der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln in der Landwirtschaft schadet häufig Wild- und Honigbienen und auch vielen anderen Insekten. Wer etwas für die Bienen tun möchte, kann darauf achten, dass die Lebensmittel, die in der Schulmensa verarbeitet werden, aus biologischem Anbau stammen. Auch im Schulgarten sollten keine Pestizide eingesetzt werden, sondern es sollte insekten- und damit bienenfreundlich gegärtnert werden.

    Schulgarten
  • Auch wer keinen Garten oder Balkon zur Verfügung hat, kann etwas für Bienen tun. In vielen Regionen Nordrhein-Westfalens bieten Landwirte Blühpatenschaften an. Mit einer Spende sorgt man dafür, dass eine bestimmte Fläche ein Jahr lang als Blühfläche versorgt wird. Die Blühflächen bieten Nahrung und Unterschlupf nicht nur für Wildbienen, sondern auch für viele andere Insekten sowie Vögel und Säugetiere. Im Rahmen eines Schulausflugs können die Schülerinnen und Schüler dann sehen, wer alles auf „ihrer“ Wiese lebt.

    Bunte Wildblumenwiese

Unterrichtsmaterial

Eine Biene fliegt zu einer Kamillenblüte um Pollen zu sammeln, den sie an ihren Hinterbeinen befestigt, um ihn zum Bienenstock bringen zu können, aufgenommen auf einer Wiese in Frankfurt (Oder) am 15.06.2009. Tagsüber bringen die Bienen Nektar, Wasser und Pollen (Blütenstaub) zur Wabe und über Nacht wird dieser von ihnen zu Honig verarbeitet. Ein Bienenvolk besteht aus einer Königin, mehreren hundert Drohnen und 30.000 bis 60.000 Arbeitsbienen - im Sommer bis zu 120.000. Eine Arbeitsbiene schlüpft 21 Tage nach der Eiablage und lebt im Sommer etwa 6 bis 8 Wochen. In dieser Zeit verrichtet sie verschiedene Aufgaben. Der Flugradius der Bienen beträgt rund drei Kilometer.

Film: Im Staat aus Wachs und Honig

Der 15-minütige Film zeigt Nahaufnahmen aus dem Bienenstock und begleitet ein Bienenvolk durch die Jahreszeiten.

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In einer Animation kehrt eine Biene den Eingang des Bienenstocks

Interaktive Animation: Die Honigbiene

Die Multimedia-Anwendung nimmt uns mit in den Bienenstock und zeigt unter anderem die Verteidigung der Bienen.

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Schülerinnen und Schüler einer 10. Klasse im Biologie-Unterricht.

Wissenspool mit Unterrichtsmaterial

Arbeitsblätter zum Thema Bienen und Vorschläge für den Unterrichtsverlauf bei Planet Schule unter „Lebensräume – in Haus und Garten“.

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